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Trainingsort Kino

9 Feb , 2019  

Das war ein echtes Highlight – Dienstagabend und kein Schwimmtraining, sondern das ganz besondere Aufwärmprogramm in Sachen Langdistanz in Roth.

Auf Initiative von Andreas Beckmann, einem absoluten Fan dieses Austragungsortes, konnte gemeinsam mit Cheftrainer André das Cinemotion Itzehoe dafür gewonnen werden, den Film „We are Triathletes“ zu präsentieren. Viele folgten dem Aufruf von Andreas und André, manch andere Filmvorführung würde sich solche Zuschauermenge wünschen. Enttäuscht wurde sicherlich niemand, zumal die Spannung hochgehalten wurde mit der Aussicht auf die abschließende Tombola. Tolle Preise, die dankenswerterweise von folgenden Firmen gesponsert wurden, B&H Sports, CineMotion Itzehoe, Reformhaus Schulze, Park Fitness Center, Der Kaffeemacher, Sport Schönbeck, Erdinger Alkoholfrei, Spomedis Verlag und Stadtwerke Itzehoe konnten am Ende noch besondere Freude bereiten.

Zurück zum Film: es gab Einblicke in das Training und die Gefühlslagen von namhaften Profis wie Mirinda Carfrae und Luke McKenzie. Besonders berührt hat die Motivation des beinamputierten Rudy Garcia-Tolson, der seit seinem 6. Lebensjahr ohne Beine durchs Leben geht. Auch hatte das Kameraauge Agegrouper im Blick, die die Herausforderung suchten.

Das Besondere für mich an diesem Film war allerdings die Geschichte der Langdistanz. Wie hatte es einmal begonnen? Aus einem Schwimmwettbewerb mit immer längeren Distanzen und einem Laufwettbewerb mit immer längeren Distanzen wurde ein Triathlon, nachdem man auch die Rennradfahrer entdeckt hatte. Alles eine gefühlte Ewigkeit her. Um genau zu sein 41 Jahre. Mit 15 Starter und 12 Finishern ging es in den ersten beiden Jahren, 1978 und 1979, in Kona um die Ehre ein Ironman zu sein. Sätze wie “Wir wussten nicht was wir taten“ und „Es ist der beste und der schlimmste Tag deines Lebens“ und „danach kannst du alles im Leben schaffen“ beeindruckten und machen nachdenklich. Und auffallend: es sind immer einzelne, engagierte, vielleicht ein wenig verrückte Menschen, die die Herausforderung annehmen, eine zunächst kleine Veranstaltung zu planen und zu einem großen Fest für alle Sinne werden zu lassen.

Sicherlich, es ist alles professioneller geworden, es gab Grabenkriege aus denen sich verschiedene Veranstaltungsformen ergeben haben. Und dennoch: wenn eine Kleinstadt wie Roth mit 24.000 Einwohnern es schafft eine Veranstaltung mit 250.000 Zuschauern und 5.500 Athleten zu wuppen, dann kann man schon mal ehrfürchtig werden. Dazu 4000 Helfer. Die wollen erst einmal angeworben und motiviert werden. Doch was ist das im Vergleich zur Motivation der Sportler. Welch ein Vergleich von 1978 zu heute. Das Material, man kann sich kaum vorstellen welche physischen Qualen man erfahren konnte mit weiten Laufhosen und Shirts aus Baumwolle. Die Räder? Heute sprechen wir von high-end-Rädern. Damals war manches sicherlich nicht so ausgefeilt, ob es schlechter war, wage ich nicht zu beurteilen, doch die Leistung die dahinter steht, die macht Respekt.

Respekt macht auf jeden Fall immer die Leistung aller Ironmänner und Ironfrauen. Egal ob Sieger oder Schlusslicht, trainiert haben sie alle, gelitten haben sie alle, und Sieger über sich selbst sind auch alle geworden. Interessant zu hören, wie sich im Verlaufe einer Langdistanz der Fokus verschiebt, wenn man nicht mehr gewinnen kann, man es psychisch verkraften muss, nicht mehr vorn dabei zu sein und trotzdem zu finishen.

Großartig auch zu hören, wie Athleten von einem kleinen Ort in Bayern schwärmen. Roth, das Mekka der Triathletengemeinde. Neben Kona/Hawaii. Vielstimmig die Meinung, dass man auch als Profi in Roth dabei gewesen sein muss. Sicher, jede Veranstaltung hat ihr eigenes Flair, doch stimmt es nachdenklich, dass ein Wettbewerb in kleinem Rahmen, so Großes zu bieten hat und doch so familiär geblieben ist. Dieser Film hat Lust gemacht, einmal mehr einzutauchen in die Geschichte des Triathlons und selbst zu schauen, zu starten, zu finishen; Hauptsache dabei zu sein. Vielleicht in Roth, irgendwann.

Uta



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